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722 Teilnehmer beim Bachlauf: Sogar in Peking und Brasilien wurde gelaufen

Viel mehr Teilnehmer als erwartet sind gemeinsam alleine gelaufen. ME-Sport ist überwältigt ob der Teilnehmerzahl und der Disziplin der Sportler, die beim "AlternativRun" an den Start gegangen sind.

 

Von Philipp Nieländer für TME.

 

Bild: Das DRK Mettmann war als Team am Start. Foto DRK Mettmann/Facebook

 

722! In Worten: siebenhundertzweiundzwanzig! Das ist die offizielle Teilnehmerzahl für den Bachlauf 2020, der so ganz anders als in den letzten 14 Jahren war. Corona hatte bereits im März für die Absage des regulären Bachlaufs gesorgt. Vor knapp zwei Wochen präsentierte ME-Sport dann eine spontane Idee: Wir laufen einfach gemeinsam alleine. An drei Tagen – Freitag, Samstag und Sonntag – konnten interessierte Läufer und Walker an den Start gehen. Die Jüngsten sollten 500 Meter absolvieren, die Älteren 5 Kilometer oder 10 Kilometer. Eine feste Strecke gab es ganz bewusst nicht, um trotz der zeitlichen Entzerrung keine Ansammlungen von Läufern bzw. Walkern zu verursachen. So konnte jede(r) seine/ihre ganz individuelle Strecke nutzen.

 

„Vor zwei Wochen habe ich gedacht: Wenn wir 100 Teilnehmer schaffen, bin ich zufrieden“, sagte ME-Sport-Geschäftsführerin Sandra Pietschmann gestern Abend. „Die 100 waren ganz schnell erreicht, dann waren es plötzlich 500 – und am Ende tatsächlich mehr als 700. Ich bin immer noch total überwältigt. Das ist so unglaublich. Vor allem, wenn man bedenkt, wie kurzfristig das alles war.“

 

Meldungen gab es dabei nicht nur aus Mettmann. Im fernen Peking beispielsweise lief Sven Löschengruber – und kämpfte dort mit der schlechten Luft. „Auch in Brasilien und in der Schweiz waren Bachläufer unterwegs“, berichtet Pietschmann. Und kreuz und quer verteilt in Deutschland. Schon im Vorfeld war viel positives Feedback bei den Organisatoren angekommen. „So freuten sich zum Beispiel einige derjenigen, die sonst immer als Streckenposten für den reibungslosen Ablauf sorgen, dass sie in diesem Jahr selbst einmal laufen können“, so Pietschmann. „Und wir hatten viele Anmeldungen von Exil-Mettmannern, die vor vielen Jahren einmal oder mehrfach beim Bachlauf dabei waren und mittlerweile in der Ferne leben.“

 

Pietschmann freut sich, dass auch Familien, die in Deutschland verstreut sind, mitgemacht haben. „Da sind die Eltern in Mettmann gelaufen und die Kinder irgendwo anders. Das ist in Zeiten, wo man sich vielleicht nicht so häufig wie sonst sehen kann, ein verbindendes Element, ein gemeinschaftliches Erlebnis trotz der Entfernung.“

 

Noch mehr freut sich die ME-Sport-Geschäftsführerin, dass sich offenbar alle Läufer und Walker an die Corona-Spielregeln gehalten haben – also mit Abstand und nicht in größeren Gruppen unterwegs waren. „Bei uns sind jedenfalls keine Beschwerden angekommen“, so Pietschmann. Damit hätten die Mettmanner Sportler bewiesen, dass sie diszipliniert und verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen können – ein gutes Signal für den sportlichen Re-Start in der Kreisstadt, findet Pietschmann, die hofft, dass der Verein bald wieder mit möglichst vielen Angeboten beginnen kann. Walkerin Sandra Schnock, die mit iher Tochter Anika auf der Hufe und im Neandertal unterwegs war, berichtete auf Instagram von vielen positiven Reaktionen der Spaziergänger, die sie angefeuert hätten.

 

Unter den 722 Teilnehmern war übrigens auch der 10.000-Meter-Europameister von 2006, der als Laufbotschafter der AOK und Wahl-Mettmanner auch häufig beim Bachlauf am Start war. In diesem Jahr ging es – noch etwas ungewohnt – mit Kinderwagen auf die 10-Kilometer-Strecke, die er in gut 55 Minuten absolvierte.

 

Außerdem am Start: Kim Cremer. Cremer hatte 2013 einen schweren Motorradunfall. Nach zahlreichen schweren Operationen blieben starke Schmerzen und immer wieder gesundheitliche Probleme, so dass er sich entschied, ein Bein amutieren zu lassen. Cremer, der aktuell beim TSV Leverkusen in einer Gruppe mit drei weiteren Prothesenträgern und einer Dame mit Halbseitenspastik trainiert, wollte beim Bachlauf seinen ersten 5-Kilometer-Wettkampf absolvieren. Nach der Enttäuschung über die Absage im März freute er sich um so mehr, dass der Lauf auf andere Weise doch stattfand. Auf seiner Hausstrecke schaffte er die 5 Kilometer in beeindruckenden 24:38 Minuten. Sandra Pietschmann zollte via Facebook Respekt. Kim sei der Bachlauf-Held 2020, so Pietschmann, die der Truppe aus Leverkusen spontan 5 Freistart-Plätze für den Bachlauf 2021 zusagte.

 

„Natürlich hoffe ich, dass der Bachlauf im nächsten Jahr wieder wie gewohnt stattfinden kann“, sagt Pietschmann. Man will aber darüber nachdenken, zusätzlich eine Wertung für alle Exil-Mettmanner, die nicht in Mettmann starten können, sondern auf einer anderen Strecke irgendwo in der Welt walken bzw. laufen, einzuführen.

 

Startgeld wurde für den diesjährigen Bachlauf übrigens nicht erhoben. Bei der Anmeldung konnte man allerdings für das DRK Mettmann, das normalerweise den Bachlauf-Sanitätsdienst übernimmt, in diesem Jahr aber mal selbst mitlaufen konnte, oder die Aktion „Plant for the Planet“ spenden. Allein die ersten 500 Anmelder spendeten rund 1800 Euro. Das endültige Spendenergebnis wird heute ermittelt.